Selbstorganisiertes Lernen oder geführte Schule?

In den letzten Jahren wurde viel über selbstorganisiertes Lernen, Individualisierung und Eigenverantwortung gesprochen.
Die Idee dahinter ist nachvollziehbar.
Kinder sollen lernen, Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen. Sie sollen selbstständiger werden, ihre Stärken entdecken und ihren eigenen Weg finden.
Was mich allerdings beschäftigt:
Je stärker diese Konzepte verbreitet werden, desto häufiger hört man gleichzeitig Klagen über mangelnde Grundkompetenzen.
Lesen. Schreiben. Rechnen.
Und zwar nicht bei einzelnen Schülerinnen und Schülern, sondern in einem Ausmass, das zunehmend auch Wissenschaftler und Arbeitgeber beschäftigt.
Das wirft eine Frage auf:
Kann es sein, dass gewisse pädagogische Konzepte vor allem jenen Kindern helfen, die bereits günstige Voraussetzungen mitbringen?
Kindern, die zuhause Unterstützung erhalten, die gefördert werden und deren Eltern sich aktiv um die Schule kümmern.
Was ist mit den anderen?
Mit Kindern, die Orientierung suchen. Mit Kindern, die Struktur brauchen. Mit Kindern, die nicht automatisch wissen, wie man lernt.
Ich frage mich manchmal, ob in der Bildungsdiskussion gewisse Dinge zu selbstverständlich geworden sind.
Dass mehr Selbstorganisation grundsätzlich besser sei - Führung etwas Altmodisches habe - Lehrpersonen möglichst begleiten statt anleiten sollten.
Die Praxis zeigt oft ein differenzierteres Bild.
Nicht jedes Kind profitiert von möglichst viel Freiheit.
Manche Kinder profitieren vor allem von klaren Erwartungen, Verlässlichkeit und einer Lehrperson, die Verantwortung übernimmt.
Darüber sollten wir aus meiner Sicht wieder mehr diskutieren. Ohne Ideologie. Und ohne die Annahme, dass jede Reform automatisch ein Fortschritt ist.
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